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OUT OF BRAIN

von Axel Hillebrandt

Buchrezension: 30 Minuten Toxische Kollegen von Zulfukar Tosun

Buchcover des Ratgebers: "30 Minuten - Toxische Kollegen" von Zufulkar Tosun, erschienen im Gabal Verlag.

Es gibt Kollegen, die vergiften Teams. Nicht durch Inkompetenz, sondern durch Verhalten. Sie intrigieren, manipulieren, spielen Opfer oder verbreiten Pessimismus. Und sie kommen damit durch. Oft jahrelang.

Zulfukar Tosun hat mit 30 Minuten Toxische Kollegen (Link zum Gabal Verlag) einen kompakten Ratgeber geschrieben, der genau dieses Problem adressiert. Kurz, praxisnah, direkt. Es beschreibt typische toxische Verhaltensweisen: Intriganten, Narzissten, Dauerpessimisten, Opferrollen-Spieler und gibt konkrete Strategien wie man sich schützt. Grenzen setzen. Dokumentieren. Allianzen bilden. Eskalieren, wenn nötig. Und vor allem: Nicht auf das Niveau herabsteigen.

Das ist nützlich. Vor allem für Menschen die zum ersten Mal mit toxischen Kollegen konfrontiert sind und nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Das Buch gibt Klarheit. Es sagt: Das ist nicht normal. Das ist nicht deine Schuld. Und es gibt Wege, damit umzugehen. Aber es hat Grenzen.

Das Buch ist parteiisch. Bewusst. Es steht auf der Seite der Betroffenen. Es typisiert toxische Kollegen, ohne ihre Motive zu beleuchten. Es fragt nicht: Warum verhalten sie sich so? Es fragt: Wie schütze ich mich?
Das ist legitim für einen 30-Minuten-Ratgeber. Aber es personalisiert Konflikte. Es macht toxisches Verhalten zu einem Problem einzelner Menschen, nicht zu einem Problem von Strukturen.
Und das ist das Problem; aber nicht das Problem des Buches. Tosun sollte mehr schreiben ;-).

Toxische Kollegen existieren nicht im Vakuum. Sie existieren in Organisationen, die sie dulden. In Kulturen, die sie ermöglichen. Unter Führungskräften, die wegschauen. Ein Intrigant (auch IntrigantIN) kann nur intrigieren, wenn niemand eingreift. Ein Narzisst kann nur dominieren, wenn niemand ihn stoppt. Ein Dauerpessimist kann nur vergiften, wenn niemand ihm widerspricht. Das Problem ist nicht nur der toxische Kollege. Das Problem ist die Organisation/Kultur, die ihn lässt.

Das Buch erwähnt das. Es gibt Hinweise für Führungskräfte, wie sie eingreifen könn(t)en. Aber es bleibt hier oberflächlich. Es sagt: Führungskräfte sollten klare Regeln setzen, Feedback geben, notfalls trennen.
Aber es fragt nicht: Warum tun sie es nicht? Warum bleiben toxische Kollegen jahrelang in Organisationen, obwohl alle wissen, dass sie destruktiv sind? Warum werden sie nicht zur Verantwortung gezogen?
Die Antwort ist nicht, dass Führungskräfte es nicht wissen. Die Antwort ist, dass sie es wissen und trotzdem nichts tun. Weil es unbequem ist. Weil es Konflikte gibt. Weil man hofft, dass es sich von selbst regelt.
Aber das tut es nicht. Was denke ich Axel beim Schreiben dieser Zeilen? Vielleicht wollte Tosun das nicht mit aufnehmen - weil es dann keine 30 Minuten mehr wären. Also alles fein bis hier hin.

Toxisches Verhalten eskaliert, wenn man es nicht stoppt. Es breitet sich aus. Es zerstört Vertrauen. Es führt dazu, dass die Guten gehen und die Toxischen bleiben. Klar habe ich toxische Kollegen erlebt. Auf der Intensivstation und im Marketing, in der Druckerei, als Freelancer, in der Agentur, als Selbstständiger. Und ich habe gesehen was passiert, wenn niemand eingreift. Auf der Intensivstation kann man sich das nicht leisten. Dort hat toxisches Verhalten sofortige Konsequenzen. Wenn jemand intrigiert, gefährdet er Patienten. Wenn jemand manipuliert, bricht das Team auseinander. Wenn jemand Verantwortung abschiebt, sterben Menschen. Deshalb wird dort nicht geduldet, was in Unternehmen oft jahrelang toleriert wird. Nicht weil die Menschen dort besser sind. Sondern weil die Konsequenzen sichtbar sind.

In Unternehmen sind die Konsequenzen nicht so sichtbar. Niemand stirbt, wenn ein Kollege intrigiert. Aber Teams sterben. Vertrauen stirbt. Und irgendwann stirbt die Organisation.

Das Buch gibt Betroffenen Werkzeuge. Aber es gibt Führungskräften keine Haltung. Es sagt nicht: Es ist eure Verantwortung toxisches Verhalten zu stoppen. Es sagt: Hier sind ein paar Tipps, falls ihr es stoppen wollt.
Aber das reicht nicht. Auch hier noch mal der Hinweis: 30 Minuten...

Toxisches Verhalten ist kein persönlicher Konflikt den man aussitzen kann. Es ist ein systemisches Problem, das aktiv bekämpft werden muss.

Und das bedeutet: Führungskräfte müssen eingreifen. Sofort. Sie müssen klare Grenzen setzen. Sie müssen Konsequenzen ziehen. Und sie müssen die Betroffenen schützen, nicht ihnen die Verantwortung zuschieben sich selbst zu schützen. Das Buch hat Wert. Es gibt klare Strategien. Es benennt toxische Verhaltensweisen. Es gibt Betroffenen das Gefühl, dass sie nicht allein sind. Aber es verschiebt die Verantwortung. Es macht toxisches Verhalten zu einem Problem der Betroffenen, nicht zu einem Problem der Führung.

Wer 30 Minuten Toxische Kollegen liest, sollte es als Einstieg lesen. Als Werkzeugkasten für den Moment, in dem man akut betroffen ist. Aber nicht als Lösung. Die Lösung ist nicht dass Betroffene lernen sich zu schützen. Die Lösung ist dass Organisationen aufhören, toxisches Verhalten zu dulden. Und das steht nicht im Buch.

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E-Mail: axel(at)axelhillebrandt.de

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