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OUT OF BRAIN

von Axel Hillebrandt

Ruhe im Chaos: Was Pflege über Prioritäten lehrt - Artikel 5

KI generierte Illustration eines Computerbildschirms mit komplexen Datenkurven, Diagrammen und Analyseoberflächen, die Überwachung, Dateninterpretation und systemisches Denken darstellen.

Es gibt diese facking Momente, in denen alles gleichzeitig passiert. Der Monitor alarmiert. Der Patient wird unruhig. Der Blutdruck fällt. Die Sauerstoffsättigung sinkt. Ein Angehöriger steht in der Tür und fragt, was los ist. Das Telefon klingelt. Jemand ruft aus dem Nebenzimmer.

Das ist kein Szenario. Das ist Alltag auf einer Intensivstation.

Und in diesen Momenten entscheidet sich wer führen kann und wer nicht. Nicht durch Wissen. Nicht durch Titel. Sondern durch die Fähigkeit ruhig zu bleiben, wenn alles eskaliert. Ruhe im Chaos ist keine Gleichgültigkeit. Es ist keine Kälte. Es ist Struktur. Es ist die Fähigkeit Prioritäten zu setzen, wenn alles wichtig erscheint. Und es ist die Fähigkeit zu handeln, wenn andere erstarren.

Aber man lernt das nicht aus Büchern. Man lernt das nicht in Seminaren. Man lernt das indem man da ist. Indem man erlebt wie sich Chaos anfühlt. Indem man Fehler macht und daraus lernt. Indem man sieht was passiert, wenn man die falsche Entscheidung trifft. Und indem man versteht was passiert, wenn man die richtige trifft.

Erfahrung ist das was man lernt, wenn man selbst handelt. Nicht wenn man andere handeln lässt. Nicht wenn man delegiert. Nicht wenn man beobachtet. In der Intensivmedizin gibt es keine Stellvertreter. Man kann nicht jemanden beauftragen die Entscheidung zu treffen. Man kann nicht warten, bis jemand anderes kommt. Man muss handeln. Jetzt. Und man muss richtig handeln. Sei es die Ärztin oderdie erfahrene Pflegekraft, die auf die richtige Entscheidung hinstubst. Das erste was man in solchen Situationen lernt ist: Nicht alles was laut ist, ist wichtig. Der Monitor alarmiert. Aber der Alarm bedeutet nicht dass der Patient stirbt. Er bedeutet, dass sich ein Parameter verschoben hat (ja - gelegentlicher Weise auch suboptimale Einstellungen der Alarmgrenzen). Manchmal ist das kritisch. Manchmal ist es irrelevant. Manchmal könnte man....

Wer Erfahrung hat weiß den Unterschied. Wer keine Erfahrung hat, reagiert auf alles mit der gleichen Dringlichkeit. Und verliert dabei den Blick für das was wirklich zählt. Das zweite was man lernt ist: Man kann nicht alles gleichzeitig machen. Man muss entscheiden was zuerst kommt. Und diese Entscheidung trifft man nicht nach Lautstärke. Man trifft sie nach Relevanz.

Der Patient dessen Blutdruck fällt, hat Priorität. Der Angehörige der fragt muss warten. Das Telefon kann klingeln. Der Kollege im Nebenzimmer kann rufen (und lass es bitte nicht einen weiteren instabilen Patienten sein). Das ist nicht egal. Aber es ist nicht jetzt. Das klingt hart. Aber es ist nicht hart. Es ist klar. Und Klarheit ist in Krisensituationen das was Menschen rettet - oder auch das in der brennenden Scheune eingeschlossen ist. Wer keine Erfahrung hat versucht alles gleichzeitig zu machen. Wer Erfahrung hat weiß dass das nicht geht. Man macht das Wichtigste. Und dann das Nächstwichtige. Und dann das was übrig bleibt. Das dritte, was man lernt, ist: Ruhe überträgt sich. Wenn man ruhig bleibt, bleiben andere ruhig. Wenn man hektisch wird, wird das ganze Team hektisch. Und in Hektik macht man Fehler.

Das bedeutet nicht dass man langsam ist. Das bedeutet dass man kontrolliert ist. Dass man weiß was man tut. Dass man nicht reagiert, sondern handelt.
Ich habe das in den ersten Momenten nicht gekonnt. Ich habe auf alles reagiert. Ich bin geeilt, wenn der Monitor alarmiert hat. Ich habe versucht allen gleichzeitig zu helfen. Ich habe mich von der Lautstärke leiten lassen, nicht von der Relevanz. Und ich habe Fehler gemacht. Nicht weil ich schlecht war. Sondern weil ich keine Erfahrung hatte.

Erfahrung ist das, was man nicht delegieren kann. Man kann jemanden beauftragen eine Aufgabe zu erledigen. Aber man kann niemanden beauftragen die Erfahrung zu machen. Man kann sie nur selbst machen. Und das ist das Problem in vielen Organisationen. Man holt Menschen die alles wissen, aber nichts erlebt haben. Die in Theorie brilliant sind, aber in der Praxis scheitern. Die Prozesse aufsetzen können, aber nicht wissen wie es sich anfühlt, wenn diese Prozesse unter Druck stehen.

Das ist keine Kritik an Wissen (Wissen ist bekanntlich Macht). Wissen ist wichtig. Aber Wissen ohne Erfahrung ist gefährlich. Weil es einem das Gefühl gibt, man könnte etwas das man noch nie gemacht hat. Auf einer Intensivstation würde man niemanden alleine lassen der keine Erfahrung hat. Nicht weil man ihm nicht vertraut. Sondern weil man weiß, dass Erfahrung nicht ersetzbar ist. Man kann erklären wie eine Reanimation abläuft. Aber man kann nicht erklären wie es sich anfühlt, wenn man sie durchführt. Wie es sich anfühlt einen Menschen zu verlieren. Wie der letzte Moment in einem Leben so unterschiedlich sein kann. Man kann beschreiben wie man Prioritäten setzt. Aber man kann nicht beschreiben wie man in dem Moment entscheidet, in dem alles gleichzeitig passiert.

Das lernt man nur indem man es tut. Und indem man es immer wieder tut. In Unternehmen ist das nicht anders. Man kann jemandem beibringen wie man eine Strategie entwickelt. Man kann jemandem beibringen wie man ein Team führt. Aber man kann niemandem beibringen wie man in einer Krise entscheidet. Das lernt man nur indem man Krisen erlebt. Und überlebt.

Wer keine Erfahrung hat überlegt zu lange. Wer Erfahrung hat entscheidet schnell. Nicht weil er impulsiv ist. Sondern weil er schon hundert Mal in der gleichen Situation war. Weil er die Muster kennt. Weil er weiß, was funktioniert und was nicht. Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Theorie sagt: So sollte es laufen. Praxis sagt: So läuft es wirklich.

Und Praxis lernt man nicht, indem man andere beauftragt sie zu machen. Man lernt sie, indem man sie selbst macht. Ruhe im Chaos entsteht nicht durch Talent. Sie entsteht durch Wiederholung. Durch Erfahrung. Durch die Fähigkeit, Muster zu erkennen bevor sie eskalieren. Und durch die Fähigkeit zu handeln, wenn andere noch überlegen. Das bedeutet nicht dass man nie zweifelt. Das bedeutet nicht dass man nie Angst hat. Aber es bedeutet dass man trotzdem handelt. Weil man weiß, dass Handeln besser ist als Erstarren.

In Führung ist es genauso. Wer Erfahrung hat bleibt ruhig, wenn das Team in Panik ist. Nicht weil ihm alles egal ist. Sondern weil er weiß dass Panik nichts löst. Wer Erfahrung hat setzt Prioritäten, wenn alles dringend erscheint. Nicht weil er hartherzig ist. Sondern weil er weiß dass man nicht alles gleichzeitig retten kann. Und wer Erfahrung hat weiß dass man sie nicht kaufen kann. Man kann sie nur verdienen. Indem man da ist. Indem man handelt. Indem man lernt.

Von Menschen. Für Menschen.

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